Patientenhochschule Dozent

Die Patientenhochschule – Als „mündiger Patient“ im Gesundheitswesen profitieren

Das Projekt

Mit der Anfang 2015 eingeführten Patientenhochschule möchte das Katholische Klinikum Essen einen Beitrag dazu leisten, „mündige Patienten“ auszubilden. In Kursen und Vorträgen werden Patienten über medizinische Themen informiert und über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt. Dabei setzt man sich von namensähnlichen Projekten ab, indem ein akkreditiertes Prüfungsverfahren eingesetzt und viel Wert auf Praxis gelegt wird (Simulationszentrum, Reanimationskurse, Workshops (Rettungsdienst, etc.)). Außerdem möchte man eine bundesweite Verbreitung durch die Freigabe des Konzeptes an gemeinnützige Kliniken unterstützen.

Ausgangslage

Nicht jeder Mensch traut sich während seines Krankenhausaufenthaltes auf sich aufmerksam zu machen und Fragen zu stellen. Oft fehlt es an dem nötigen Hintergrundwissen, um überhaupt die richtigen Fragen stellen zu können. Nur mündige, d.h. gut informierte Patienten sind dazu in der Lage. Ein solcher „mündiger Patient“ ist auch für Mitarbeiter im Gesundheitswesen wünschenswert, denn nur so kann der Arzt-Patienten-Dialog auf Augenhöhe geführt werden. Letztlich können so viele Irritationen vermieden werden. Für Patienten ist es allerdings schwer, sich verlässlich und strukturiert über das Gesundheitswesen zu informieren. Die allgemeine Reizüberflutung durch zahlreiche Artikel in diversen Medien ist dabei keine Hilfe. Als Laie wird man dadurch eher irritiert und es können Ängste entstehen (Keime, „Blutige Entlassung“, etc.), die in der Regel unbegründet sind. Im Katholischen Klinikum Essen hat man daher ein Angebot für Patienten geschaffen, um die Strukturen des Gesundheitswesens leicht verständlich zu vermitteln.

Ziele

Es sollen mündige Patienten „ausgebildet“ werden. Damit möchte das Katholische Krankenhaus Essen einen Beitrag zu einem besseren Arzt-Patientenverhältnis leisten.

Umsetzung

Grafik Patientenhochschule Lehrplan
Jeder Interessent kann sich kostenfrei für die Patientenhochschule anmelden. Nach der Anmeldung können sich die Teilnehmer einen persönlichen Stundenplan erstellen. Der Lehrplan richtete sich dabei nach den jeweiligen zeitlichen Möglichkeiten, Interessen und den Vorgaben aus den angebotenen Vorlesungen/Kursen. Insgesamt wählen die Teilnehmer 15 Vorträge bzw. Kurse aus, in denen mindestens 3 medizinische, 3 chirurgische und 3 gesundheitspolitische Vorträge enthalten sein müssen. Den Besuch der Vorlesungen lassen sich die Teilnehmer mit Stempel, Unterschrift und Datum auf einer Stempelkarte durch den jeweiligen Dozenten direkt im Anschluss an jeden Vortrag/Kurs bestätigen.

Nach frühestens einem Jahr, spätestens jedoch innerhalb von vier Semestern bzw. zwei Jahren kann die Abschlussprüfung ablegt werden. Diese erfolgt in Form einer schriftlich zu bearbeitenden Klausur, die aus 20 Fragen besteht. Nach erfolgreicher Prüfung erhalten die Teilnehmer das Zertifikat „Mündiger Patient“. Auf Wunsch geht das Studium danach weiter. Teilnehmer können weiterhin alle Vorlesungen, Workshops und Kurse besuchen und weitere Stempel sammeln. Sobald die Karte erneut voll ist, können sie sich für das nächste Level als „Mündiger Patient“ für die Klausur anmelden. Die Klausuren werden von Level zu Level immer anspruchsvoller. Insgesamt gibt es neben dem Basiszertifikat noch Level C, Level B und Level A als höchsten Abschluss.

Grafik Patientenhochschule Prozess

Ergebnisse

Grafik Patientenhochschule Umfrageergebnisse
Zur Zeit ist die Patientenhochschule mit 300 Studierenden komplett ausgebucht. Seit der Einführung Anfang 2015 gibt es bereits die ersten Absolventen des Levels D „Basiszertifikat“ und sogar auch des Levels C. Weitere Patientenhochschulen nach diesem Modell haben sich im Jahr 2016 gegründet oder sind in der Planungsphase (z. B. im Klinikum Dortmund). Zu guter Letzt wurde die Patientenhochschule als anerkannter Studiengang mit internationalen Ects (12 Credit-Points) akkreditiert.

3 Fragen an… Stefan Mattes

1. Wer ist der typische Teilnehmer der Patientenhochschule?
Den typischen Teilnehmer gibt es nicht. Grundsätzlich sind alle Altersklassen und Sozialschichten vertreten. Vorwiegend sind die Teilnehmer allerdings im Alter 60+. Die Interessenlage zur Teilnahme ist dabei sehr heterogen – von jungen Menschen, die sich vor der Berufswahl über das Gesundheitswesen informieren wollen, bis hin zu Menschen, die selber mittelfristig Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen werden müs

2. Welche Rückmeldungen erhalten Sie von den Behandlerteams?
Initial gab es natürlich vereinzelt auch Widerstände und Bedenken, mittlerweile sind die Behandlerteams von dem Modell überzeugt und bringen sich sehr gerne mit ihrem Know-how ein. Mündigere Patienten stellen eben in der Tat die richtigen Fragen. Irritationen werden vermieden, bevor sie überhaupt entstehen können und vor allem wird mehr gefragt und hinterfragt. Dies begrüßen die Behandlerteams sehr, da dies das Ziel „gesunde und zufriedene Menschen nach Hause zu entlassen“ unterstützt.

3. Wie wird die Patientenhochschule finanziert?
Investive Mittel helfen natürlich weiter, die Patientenhochschule besser auszustatten. Grundsätzlich gibt es allerdings keine variablen jährlichen Kosten, denn die Vortragsräume sind in den Kliniken vorhanden und werden kostenfrei zur Verfügung gestellt und die Referenten erhalten kein Honorar bzw. übernehmen ihren Beitrag ehrenamtlich oder stellen die Referenten aus ihrer Institution für einen Beitrag frei.

Das Team

Oliver Gondolatsch
Oliver Gondolatsch
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Stefan Mattes
Stefan Mattes
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PD Dr. med. Horst Gerhard
PD Dr. med. Horst Gerhard
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Weiterführende Links

Webseite der Patientenhochschule