Uniklinik Köln // Neurologische Klinik

2. Platz // Die AG Kind & Karriere (K²)

«Wir freuen uns sehr und bedanken uns für den 2. Platz der „AG Kind und Karriere“ beim Innovationspreis 2016. Wir hoffen, dass wir mit der Publizierung unseres Projektes auch andere Menschen erreichen, inspirieren und motivieren können, die Umsetzung eigener Ideen zu verfolgen um Strukturen nachhaltig und bedarfsgerecht für sich und seine Kolleg(inn)en zu verbessern.» Dr. med. Sabine Vay

Das Projekt

Die Arbeitsgruppe „Kind & Karriere (K²)“ besteht aus Mitarbeiterinnen der Neurologischen Klinik an der Uniklinik Köln. Sie ist 2015 als Spin-Off der AG Karrierewege entstanden und hat die Förderung von Ärztinnen mit Kindern während ihrer wissenschaftlichen Karriereentwicklung zum Ziel. Dazu werden u.a. mithilfe einschlägiger Drittmitteleinwerbung vielfältige Maßnahmen realisiert.

Ausgangslage

Der Frauenanteil in der Medizin ist hoch und wird in Zukunft weiter steigen. Eine wissenschaftliche Karriere wird von Ärztinnen allerdings seltener verfolgt als von ihren männlichen Kollegen. An der medizinischen Fakultät der UKK zeigte sich dies an folgenden Zahlen: Mit 61,64% war der Anteil der weiblichen Studierenden im WS 2014/2015 hoch, allerdings betrug der Anteil der weiblichen Promovierenden im Jahr 2014 nur 53,88 %. Beim Anteil der weiblichen Habilitandinnen ist der Wert noch niedriger: er lag 2014 bei lediglich 25,00 %.Foto Kinderraum UKK

Auf der Suche nach den möglichen Ursachen für den Ausstieg der Akademikerinnen aus der wissenschaftlichen Karriere fand man verschiedene Gründe. In der frühen Phase der Karriere (z.B. als Doktorandin) haben viele Akademikerinnen im Vergleich zu männlichen Kollegen eine defensivere Selbstdarstellung, eine zurückhaltende Umgangsweise mit offenen Konkurrenzsituationen und Zweifel an der Vereinbarkeit mit der Familienplanung. Auch in späteren Phasen (z.B. als Post-Doc) gibt es sehr häufig Vereinbarkeitsprobleme mit der Familie. Es ist weniger Zeit z.B. für reputationsbildende Aktivitäten, die Flexibiliät bzgl. der Arbeitszeiten ist reduziert und (teils mehrmalige) Berufsunterbrechung wegen Mutterschutz und Elternzeit sind hinderlich für die Karriere. Hinzu kommen Ambivalenzen und Schuldgefühle gegenüber den Kindern. Die Karrieremotivation von Akademikerinnen steht indes der ihrer männlichen Kollegen in nichts nach.

Die neurologische Klinik an der Uniklinik Köln hat großen Bedarf an Maßnahmen zur Verbesserung der wissenschaftlichen Karriereentwicklung von Medizinerinnen: Von insgesamt 67 ärztlichen Mitarbeitern sind 32 Frauen, davon sind 47 % Mütter von Kindern unter 3 Jahren.

Ziele

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Förderung des (weiblichen) ärztlich-wissenschaftlichen Nachwuchses. Vor allem Ärztinnen mit Kindern sollen während ihrer wissenschaftlichen Karriereentwicklung unterstützt werden. Dazu müssen Maßnahmen zur Unterstützung der Vereinbarkeit der Familie mit der klinischen/wissenschaftlichen Karriere eingeführt werden.

Umsetzung

Die Arbeitsgemeinschaft Kind & Karriere hat mehrere Maßnahmen umgesetzt, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

Einführung einer qualifizierten Kinderbetreuung während Fortbildungsveranstaltungen in der Klinik für Neurologie

Fortbildungen finden in der Regel an Samstagen statt und dienen neben der Informationsvermittlung auch dem Networking. In Kooperation mit dem BackUp-Service des Career & Family Supports (CFS) der Universität zu Köln (Kindertagesstätte, Erzieher/-innen) Finanziert wird das Angebot durch Drittmitteleinwerbung (Finanzfond der Universität zu Köln zur Umsetzung des gesetzlichen Gleichstellungsauftrages)

Einrichtung eines kindersicheren Raumes sowie einer Wickelstation in der Klinik für Neurologie
Meetings mit anderen Wissenschaftlern finden häufig zu betreuungsfreien Uhrzeiten statt. Daher hat die AG K² eine kinderfreundliche und -sichere Umgebung innerhalb der Neurologischen Klinik geschaffen, um Müttern diese Besprechungen zu ermöglichen. Die Kinderbetreuung während Fortbildungsveranstaltungen ist direkt in der unmittelbaren Nähe zur Veranstaltung möglich (insbes. wenn Stillkinder mitbetreut werden).

Ausführliche Informationszusammenstellung zum Thema „Familie“ auf dem klinik- und mitarbeiterinternen Internetportal „Neuro-Wiki“Screenshot Neuro-Wiki Familie
Sämtliche formalen und rechtlichen Richtlinien zur Schwangerschaft, Mutterschutz, Elternzeit, Versicherungen etc., inklusive weiterführender Links, werden zentral angeboten. Dies geschieht jeweils angepasst an die klinikinternen Strukturen. Zudem werden Informationen über Kitas und Betreuungsmöglichkeiten sowie Freizeitaktivitäten bereitgestellt. Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin kann Informationen hinzufügen.

Förderung der Netzwerkbildung
Regelmäßig finden gemeinsame Freizeitaktivitäten mit der Familie (z.B. Erlebnisbauernhof) statt. Damit wird auch der private Austausch über familienrelevante Informationen, Probleme, individuelle Organisation des Alltags in der Familie etc. gefördert.

Planung eines Seminars zu dem Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ für den Januar 2017
Zur Zeit läuft noch eine Umfrage zur Identifikation der Interessensschwerpunkte.

Ergebnisse

Die eingeführten Maßnahmen stoßen auf große Resonanz. Bei allen Fortbildungsveranstaltungen wird das Betreuungsangebot wahrgenommen. Auch wenn die erste Finanzierungsphase mittlerweile beendet ist, setzt man sich auch an höherer Stelle dafür ein, dass die AG Kind & Karriere fortgesetzt wird. Der Grund für den Erfolg liegt in der Nähe der Maßnahmen zum tatsächlichen Bedarf. Beide Initiatorinnen sind selbst Mütter und Forscherinnen und wissen sehr gut, welche Neuerungen sinnvoll sind. Darüber hinaus haben sie ein Ohr für ihre Kolleginnen und holen kontinuierlich Feedback ein. Auf diese Weise bestimmt die Zielgruppe die angestrebten Projekte selbst.

3 Fragen an… Dr. med. Sabine Vay

1. Welche Erfahrungen haben die jungen Wissenschaftlerinnen bisher in der Praxis mit dem Angebot von K² gemacht?
Die Gründung der AG K² fußt auf der hohen Nachfrage seitens der Kolleg(inn)en: die Kinderbetreuung während interner Fortbildungen, der kindersichere Raum inkl. Wickelstation, Infos rund um die Familie auf dem Internetportal „Neuro-Wiki“, sowie die Netzwerkbildung und ein Seminar zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ sind bislang die bedarfsorientierten Projekte von K² und erfahren große Resonanz. Sie werden durchweg positiv bewertet und vor allem als hilfreich empfunden.

2. Wie haben die übrigen Wissenschaftler der Klinik auf die Veränderung reagiert?
Auch die Kolleg(inn)en, bei denen Familienplanung derzeit (noch) kein zentrales Thema ist, sind an den Projekten von K² interessiert und liefern nützlichen Input; daher werden sie in Bedarfs- oder Interessensumfragen systematisch mit einbezogen. So wird es durch K² ermöglicht, bereits frühzeitig in der beruflichen Laufbahn Sorgen bezüglich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf abzubauen, was wiederum sehr zur langfristigen Bindung der Mitarbeiter(innen) an unsere Klinik beiträgt.

3. Wie bewerten Sie das Potenzial, K² auf andere Fächer zu übertragen?
Das Konzept von K² lässt sich definitiv auf alle medizinische wie auch nicht-medizinische Arbeitsbereiche übertragen. Voraussetzung sind die offene Kommunikation im Team, bedarfsgerechtes Handeln und nicht zuletzt das Engagement der Mitarbeiter. Wir – selbst Wissenschaftlerinnen und Mütter – profitieren von den Projektmaßnahmen genauso wie unsere Kolleginnen und Kollegen.

Das Team

Dr. med. Christina Kowoll
Dr. med. Christina Kowoll
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Dr. med. Sabine Vay
Dr. med. Sabine Vay
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Weiterführende Links

Website der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Uniklinik Köln